Das östlichste und einwohnerärmste Bundesland Österreichs ist das Burgenland. Aus dem dortigen Landesstudio des österreichischen Rundfunks ORF kommen die unterhaltsamen
"Gesundheitstips von Miriam Wiegele":
feed://static.orf.at/podcast/bgldmagazin/podcast_20.xml
Ausnahmslos alle Folgen haben ihren Reiz, denn laut ORF Burgenland berät uns "Miriam Wiegele (...) vor allem auf der Basis der Traditionellen Abendländischen Medizin aber auch der Rationellen Phytotherapie". Ein guter Einstieg ist die Folge vom 13. Oktober zur Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM).
Hier wird der Blick nämlich endlich mal auf das wirkliche Herzstück der TCM gelenkt: die Kräuterheilkunde. Dabei geht es interessanterweise gar nicht um die Inhaltsstoffe der vielen Pflanzen und Pulver, die in der TCM eingesetzt werden, sondern um deren energetischen Wirkung auf den Menschen. Eine kurze "Pulsdiagnose" durch den TCM-Arzt, und dann sagt er z.B. "Aha, sie haben eine Qi-Leere!" und wir stärken mit Qi-Tonika den Lungen- und Dickdarm-Meridian. Das machen wir aber nur, weil wir uns gerade in der Wandlungsphase Metall befinden - in einer anderen Wandlungsphase würden wir womöglich ein anderes Körperteil-Ehepaar stärken.
Nach dem langen Yin-Yang-Ausflug von Frau Wiegele landen wir übrigens am Ende bei der Empfehlung, jetzt in der kalten Jahreszeit zu einem Tee aus Süßholz oder Ingwer zu greifen. Der steht ja glücklicherweise in jedem Traditionellen Europäischen Hofer-Regal.
Mittwoch, 18. November 2009
Sonntag, 15. November 2009
Und wenn's nicht funktioniert, und wenn's auch keiner erklären kann, dann trotzdem nicht als unwirksam darstellen!
SWR 2 versucht es mal mit differenzierter Darstellung der alternativen Heilmethoden und bringt in der Reihe SWR2 Wissen den Beitrag "Nadeln, Kräuter und Potenzen - was taugen alternative Heilmethoden?":
http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/-/id=660374/nid=660374/did=5392858/640e0q/index.html
Wir lernen von Einzelpersonen, denen Duftkerzen und chinesische Nadeln geholfen haben, und wir erfahren fürderhin, dass es für das erste Thema keine relevanten Untersuchungen, für das zweite aber richtig viele Untersuchungen, nur leider keinen Wirknachweis gibt. Zumindest wirkt die Verblindungsmethode "Scheinakupunktur" (Nadeln einfach irgendwo rein) genauso gut wie "wahre" Akupunktur (Nadeln in die Meridiane, in der bekanntlich die Lebensenergie Qi fliesst). Beide Methoden wirken übrigens interessanterweise deutlich besser als die konventionelle (z.B. pharmakologische) Therapie bei bestimmten Schmerzbeschwerden:
http://de.wikipedia.org/wiki/GERAC_-_German_Acupuncture_Trials
Die German Acupuncture Trials sind eine umfassende Untersuchung zum Thema Wirksamkeit der Akupunktur. Die untersuchten Deutschen hatten offenbar eine ausgeprägte Erwartung an ihre chinesische Behandlung - und dann war es auch egal, wo man sie im Endeffekt eigentlich so mit den Akupunkturnadeln stach. "YinYang, meine Zuversicht" heisst es dazu sehr schön im Beitrag.
Auf jeden Fall ist auch der Herr Michalsen aus Berlin (siehe Eintrag vom 14.11.) bei diesem Beitrag wieder mit dabei. Er spricht unter anderem zum Thema Homöopathie, und sein Lieblingsthema scheint in diesem Zusammenhang die Verklärung des Placebo-Effekts zu sein:
"Wir wissen ja noch nicht mal, was zwischen Arzt und Patient geschieht. (...) Ob da Resonanzphänomene zwischen einem gegenseitigen Verstehen ablaufen, vermittelt durch die Texte der Homöopathie (...) [und] ob das der Mediator des Effekts ist oder das Kügelchen, das kann Ihnen niemand sagen. Das ganze System ist das, was wirkt."
Und, wir erinnern uns, der Placebo-Effekt wird ja heutzutage grundsätzlich überschätzt:
Michalsen: "Aus Mangel an Erkenntnis sagen wir, das ist alles Placebo. Das ist aber nicht die Realität. Die Realität ist, wir wissen nur nicht, was genau es birgt." Und dass es nicht besser wirkt als Scheinmedikamentierung, das wissen wir eigentlich auch. Aber der Höhepunkt kommt erst noch, und er bringt eine phänomenale Verdrehung der Begriffe mit sich:
Michalsen: "... dass wir vielleicht in zehn Jahren sagen können: diese Placebo-Stufe wird besser durch Homöopathie bedient, eine andere besser durch Akupunktur, und eine dritte mehr durch ganz normale schulmedizinische Medikamente. Also dass man dann einfach in der Lage ist das besser zu verstehen, was eigentlich Heilung ausmacht."
Moment mal: Heilung ist das Ziel, erreicht wird es grundsätzlich durch ein Mysterium namens "Placebo", und das wirkt in "Stufen", die sich von Ibuprofen genauso triggern lassen wie von Zuckerkugeln oder Akupunkturnadeln...? Wer hat denn diese Generation von deuschen Medizinern ausgebildet?!
Aber so ganz schlecht ist der Beitrag ja eigentlich gar nicht. Unverständlich ist nur, warum die an sich klaren Aussagen zur Unwirksamkeit der verschiedenen alternativen Heilmethoden nicht für sich sprechen dürfen, sondern immer wieder mit den üblichen Argumenten des "Offenbleibens" und des Abwendens vom "entweder - oder" verwässert werden. Die SWR-HörerInnen werden schon nicht gleich zum Möbelhauseröffnungs-Bumms-Radio wechseln, wenn ihnen mal 20 Minuten lang eine fundierte, ernsthafte Übersicht über den aktuellen Kenntnisstand gegeben wird. Danach können sie ja immer noch voll Wut und Scham am Knöpfchen drehen und sich den Rest des Tages die bunte Mischung aus subjektiven Lokalwettermeldungen, englischsprachigen Retortenschlagern und den Werbebeiträgen von Fensterscheibenreparaturwerkstätten mit patentierten Verfahren anhören.
http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/-/id=660374/nid=660374/did=5392858/640e0q/index.html
Wir lernen von Einzelpersonen, denen Duftkerzen und chinesische Nadeln geholfen haben, und wir erfahren fürderhin, dass es für das erste Thema keine relevanten Untersuchungen, für das zweite aber richtig viele Untersuchungen, nur leider keinen Wirknachweis gibt. Zumindest wirkt die Verblindungsmethode "Scheinakupunktur" (Nadeln einfach irgendwo rein) genauso gut wie "wahre" Akupunktur (Nadeln in die Meridiane, in der bekanntlich die Lebensenergie Qi fliesst). Beide Methoden wirken übrigens interessanterweise deutlich besser als die konventionelle (z.B. pharmakologische) Therapie bei bestimmten Schmerzbeschwerden:
http://de.wikipedia.org/wiki/GERAC_-_German_Acupuncture_Trials
Die German Acupuncture Trials sind eine umfassende Untersuchung zum Thema Wirksamkeit der Akupunktur. Die untersuchten Deutschen hatten offenbar eine ausgeprägte Erwartung an ihre chinesische Behandlung - und dann war es auch egal, wo man sie im Endeffekt eigentlich so mit den Akupunkturnadeln stach. "YinYang, meine Zuversicht" heisst es dazu sehr schön im Beitrag.
Auf jeden Fall ist auch der Herr Michalsen aus Berlin (siehe Eintrag vom 14.11.) bei diesem Beitrag wieder mit dabei. Er spricht unter anderem zum Thema Homöopathie, und sein Lieblingsthema scheint in diesem Zusammenhang die Verklärung des Placebo-Effekts zu sein:
"Wir wissen ja noch nicht mal, was zwischen Arzt und Patient geschieht. (...) Ob da Resonanzphänomene zwischen einem gegenseitigen Verstehen ablaufen, vermittelt durch die Texte der Homöopathie (...) [und] ob das der Mediator des Effekts ist oder das Kügelchen, das kann Ihnen niemand sagen. Das ganze System ist das, was wirkt."
Und, wir erinnern uns, der Placebo-Effekt wird ja heutzutage grundsätzlich überschätzt:
Michalsen: "Aus Mangel an Erkenntnis sagen wir, das ist alles Placebo. Das ist aber nicht die Realität. Die Realität ist, wir wissen nur nicht, was genau es birgt." Und dass es nicht besser wirkt als Scheinmedikamentierung, das wissen wir eigentlich auch. Aber der Höhepunkt kommt erst noch, und er bringt eine phänomenale Verdrehung der Begriffe mit sich:
Michalsen: "... dass wir vielleicht in zehn Jahren sagen können: diese Placebo-Stufe wird besser durch Homöopathie bedient, eine andere besser durch Akupunktur, und eine dritte mehr durch ganz normale schulmedizinische Medikamente. Also dass man dann einfach in der Lage ist das besser zu verstehen, was eigentlich Heilung ausmacht."
Moment mal: Heilung ist das Ziel, erreicht wird es grundsätzlich durch ein Mysterium namens "Placebo", und das wirkt in "Stufen", die sich von Ibuprofen genauso triggern lassen wie von Zuckerkugeln oder Akupunkturnadeln...? Wer hat denn diese Generation von deuschen Medizinern ausgebildet?!
Aber so ganz schlecht ist der Beitrag ja eigentlich gar nicht. Unverständlich ist nur, warum die an sich klaren Aussagen zur Unwirksamkeit der verschiedenen alternativen Heilmethoden nicht für sich sprechen dürfen, sondern immer wieder mit den üblichen Argumenten des "Offenbleibens" und des Abwendens vom "entweder - oder" verwässert werden. Die SWR-HörerInnen werden schon nicht gleich zum Möbelhauseröffnungs-Bumms-Radio wechseln, wenn ihnen mal 20 Minuten lang eine fundierte, ernsthafte Übersicht über den aktuellen Kenntnisstand gegeben wird. Danach können sie ja immer noch voll Wut und Scham am Knöpfchen drehen und sich den Rest des Tages die bunte Mischung aus subjektiven Lokalwettermeldungen, englischsprachigen Retortenschlagern und den Werbebeiträgen von Fensterscheibenreparaturwerkstätten mit patentierten Verfahren anhören.
Samstag, 14. November 2009
Nicht spezifisch erklärbare Wortbeiträge
Da hat Radio Eins erneut den Fehler gemacht, die unbedarfte Moderatorin mit der charismatischen Autorität zu kombinieren. Heute gab's in der Sendung "Die Profis" einen Beitrag mit dem Titel "Was kann Homöopathie?":
http://download.radioeins.de/mp3/_programm/8/20091114_dp_homoeopathie.mp3
Und, wie sollte es anders sein: es "belegt" mal wieder "die Erfahrung" so einiges. Zu Gast war Andreas Michalsen vom Immanuel-Krankenhaus in Berlin:
http://www.immanuel.de/immanuel-diakonie-gmbh/bereiche/unternehmenskommunikation/nachrichten/berliner-stiftungsprofessur-fuer-naturheilkunde
Endlich haben wir hier auch einen aus der Gruppe vom Blutegel-Dobos (siehe Beitrag vom 20.03.09) vor Ort, falls mal was an den Gelenken quietscht.
Auf jeden Fall gibt uns Michalsen den differenzierten Wissenschaftler und bezeichnet die Wirkweise von Homöopathie saubererweise als "letztlich nicht erklärbar". Danach folgt die übliche rhetorische Runde: Abgrenzung "harte Schulmediziner" auf der einen Seite, "Grundlagenwissenschaftler" auf der anderen, dann noch ein bißchen was zu Informationen in Wassermolekülen - und immer wieder der Beweis der Erfahrung.
Aber dem Herrn Michalsen mache ich ja (hier, an dieser Stelle) gar keinen Vorwurf. Aber warum hat Radio eins das Interview (schon wieder) von einer so ahnungslosen Person führen lassen?
Den investigativen Moderationsbeitrag Nummer 1 kann man gänzlich unkommentiert stehenlassen. Moderatorin: "Ich persönlich probiere ja gerne alles mögliche aus (...), habe (...) mir Globuli geben lassen, probiere ich jetzt seit 3 Wochenenden am Stück (...), und es hilft rein gar nichts. Können Sie mir sagen, warum es nicht hilft, wenn Sie schon nicht wissen, warum es hilft?".
Dann knallhart der Beitrag Nummer 2, der wahrscheinlich so in großen Buchstaben auf dem Zettelchen von der Redaktion steht: "Kritiker meinen ja (...) die Erfolge sind einzig und allein dem Placebo-Effekt zu schulden".
Das Thema nimmt Michalsen gerne auf und verliert sich in einem fröhlichen Quarkschwall-Monolog. In Paraphrase: Mit dem Begriff Placebo ist man ja heute ganz, ganz vorsichtig geworden. Ein Beispiel: operieren sie Menschen z.B. bei Bauchbeschwerden und operieren dabei eine Grupe nur zum Schein, die andere wirklich, dann sind die Ergebnisse nachher die gleichen. Okay, vielleicht tut der Arzt oder auch das Medikament zur Heilung etwas Spezifisches dazu. Und die Erfahrung der Placebowirkung betrifft ja gar nicht die Homöopathie, sondern die ganze Medizin. (Hier schon den Zusammenhang verloren?) Und überhaupt: wenn wir mal nicht die langweiligen wissenschaftlichen Studien anschauen, sondern nur die Patienten, "sogenannte Beobachtungsstudien" - was bringt's dem Menschen?- dann bringt sie viel. Und eigentlich ist es dann auch egal warum.
Sein Fazit zur Homöopathie: sie "hat eine wissenschaftliche Seite, die ist sehr komplex, und dann eine prophane, eine alltägliche, da reicht es eigentlich nur zu sagen: die Homöopathie hilft".
Puh, da bedanken wir HörerInnen der Wissenschaftssendung von Radio Eins uns aber nochmal ganz herzlich, dass Herr Michalsen uns nicht überschätzt und mit wissenschaftlichen Hintergründen gequält hat. Und wir erinnern uns an den Beginn des Einspielers zu diesem Interview, denn da heisst es passenderweise:
"Dumm bleibt dumm, da helfen keine Pillen".
http://download.radioeins.de/mp3/_programm/8/20091114_dp_homoeopathie.mp3
Und, wie sollte es anders sein: es "belegt" mal wieder "die Erfahrung" so einiges. Zu Gast war Andreas Michalsen vom Immanuel-Krankenhaus in Berlin:
http://www.immanuel.de/immanuel-diakonie-gmbh/bereiche/unternehmenskommunikation/nachrichten/berliner-stiftungsprofessur-fuer-naturheilkunde
Endlich haben wir hier auch einen aus der Gruppe vom Blutegel-Dobos (siehe Beitrag vom 20.03.09) vor Ort, falls mal was an den Gelenken quietscht.
Auf jeden Fall gibt uns Michalsen den differenzierten Wissenschaftler und bezeichnet die Wirkweise von Homöopathie saubererweise als "letztlich nicht erklärbar". Danach folgt die übliche rhetorische Runde: Abgrenzung "harte Schulmediziner" auf der einen Seite, "Grundlagenwissenschaftler" auf der anderen, dann noch ein bißchen was zu Informationen in Wassermolekülen - und immer wieder der Beweis der Erfahrung.
Aber dem Herrn Michalsen mache ich ja (hier, an dieser Stelle) gar keinen Vorwurf. Aber warum hat Radio eins das Interview (schon wieder) von einer so ahnungslosen Person führen lassen?
Den investigativen Moderationsbeitrag Nummer 1 kann man gänzlich unkommentiert stehenlassen. Moderatorin: "Ich persönlich probiere ja gerne alles mögliche aus (...), habe (...) mir Globuli geben lassen, probiere ich jetzt seit 3 Wochenenden am Stück (...), und es hilft rein gar nichts. Können Sie mir sagen, warum es nicht hilft, wenn Sie schon nicht wissen, warum es hilft?".
Dann knallhart der Beitrag Nummer 2, der wahrscheinlich so in großen Buchstaben auf dem Zettelchen von der Redaktion steht: "Kritiker meinen ja (...) die Erfolge sind einzig und allein dem Placebo-Effekt zu schulden".
Das Thema nimmt Michalsen gerne auf und verliert sich in einem fröhlichen Quarkschwall-Monolog. In Paraphrase: Mit dem Begriff Placebo ist man ja heute ganz, ganz vorsichtig geworden. Ein Beispiel: operieren sie Menschen z.B. bei Bauchbeschwerden und operieren dabei eine Grupe nur zum Schein, die andere wirklich, dann sind die Ergebnisse nachher die gleichen. Okay, vielleicht tut der Arzt oder auch das Medikament zur Heilung etwas Spezifisches dazu. Und die Erfahrung der Placebowirkung betrifft ja gar nicht die Homöopathie, sondern die ganze Medizin. (Hier schon den Zusammenhang verloren?) Und überhaupt: wenn wir mal nicht die langweiligen wissenschaftlichen Studien anschauen, sondern nur die Patienten, "sogenannte Beobachtungsstudien" - was bringt's dem Menschen?- dann bringt sie viel. Und eigentlich ist es dann auch egal warum.
Sein Fazit zur Homöopathie: sie "hat eine wissenschaftliche Seite, die ist sehr komplex, und dann eine prophane, eine alltägliche, da reicht es eigentlich nur zu sagen: die Homöopathie hilft".
Puh, da bedanken wir HörerInnen der Wissenschaftssendung von Radio Eins uns aber nochmal ganz herzlich, dass Herr Michalsen uns nicht überschätzt und mit wissenschaftlichen Hintergründen gequält hat. Und wir erinnern uns an den Beginn des Einspielers zu diesem Interview, denn da heisst es passenderweise:
"Dumm bleibt dumm, da helfen keine Pillen".
Sonntag, 5. Juli 2009
Blutschwitzende Bayernwunder
Deutschlandfunk berichtet in der offenbar weitgefassten Kategorie "Hintergrund Politik" über eine beunruhigende neuartige Bluter-Krankheit bei jungen Kälbern:
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/981169/
Die Tiere bluten sichtbar aber ohne oberflächliche Verletzungen und verenden häufig an ihrer Krankheit. Das Ganze ist Bauern wie Bayern neu (in diesem Bundesland scheint die Krankheit vermehrt aufzutreten) und wird derzeit von verschiedenen Disziplinen wissenschaftlich untersucht.
Nicht untersuchen, sondern gleich was Passendes "entwickeln", tut eine ortsansässige Tierheilpraktikerin: sie behandelt mit dem "potenzierte(n) Gift der amerikanischen Waldklapperschlange in Form von Globulis". Wichtige Info: "Die sind auch bei Ebola mit auf der 'Materia medica', bei Gelbfieber zum Beispiel". Sie stehen also in irgendeinem der mannigfaltigen Homöopathie-Lehrbücher:
http://de.wikipedia.org/wiki/Materia_medica
Nach eigener Aussage ist der Erfolg groß, denn 18 von 23 mit Zuckerkugeln behandelte Kälber haben überlebt. Was sie genau überlebt haben, wissen wir allerdings nicht, weil weder vorher noch nachher geprüft wurde, ob die Kälber überhaupt unter der neuen Bluter-Krankheit gelitten haben. Vielleicht waren ja 5 der 23 Kälber Bluter...?
Deutschlandfunk auf jeden Fall behauptet erst, die Heilpraktierin hätte mit ihrer Methode "Erfolg", rudert dann zurück und erklärt, dass leider niemand die Kälber wirklich so recht untersucht hat. Mittendrin der schöne Satz: "Trotz der Erfolge warnt die Tierheilpraktikerin vor zu großer Euphorie. Auch sie kann keine Wunder erwirken".
Sie erwirkte also mit großer Wahrscheinlichkeit:
- medizinisch gar nichts, aber ein wenig Einkommen
- eventuell einen Plazebo-Effekt
- und eine angenehme Medienaufmerksamkeit.
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/981169/
Die Tiere bluten sichtbar aber ohne oberflächliche Verletzungen und verenden häufig an ihrer Krankheit. Das Ganze ist Bauern wie Bayern neu (in diesem Bundesland scheint die Krankheit vermehrt aufzutreten) und wird derzeit von verschiedenen Disziplinen wissenschaftlich untersucht.
Nicht untersuchen, sondern gleich was Passendes "entwickeln", tut eine ortsansässige Tierheilpraktikerin: sie behandelt mit dem "potenzierte(n) Gift der amerikanischen Waldklapperschlange in Form von Globulis". Wichtige Info: "Die sind auch bei Ebola mit auf der 'Materia medica', bei Gelbfieber zum Beispiel". Sie stehen also in irgendeinem der mannigfaltigen Homöopathie-Lehrbücher:
http://de.wikipedia.org/wiki/Materia_medica
Nach eigener Aussage ist der Erfolg groß, denn 18 von 23 mit Zuckerkugeln behandelte Kälber haben überlebt. Was sie genau überlebt haben, wissen wir allerdings nicht, weil weder vorher noch nachher geprüft wurde, ob die Kälber überhaupt unter der neuen Bluter-Krankheit gelitten haben. Vielleicht waren ja 5 der 23 Kälber Bluter...?
Deutschlandfunk auf jeden Fall behauptet erst, die Heilpraktierin hätte mit ihrer Methode "Erfolg", rudert dann zurück und erklärt, dass leider niemand die Kälber wirklich so recht untersucht hat. Mittendrin der schöne Satz: "Trotz der Erfolge warnt die Tierheilpraktikerin vor zu großer Euphorie. Auch sie kann keine Wunder erwirken".
Sie erwirkte also mit großer Wahrscheinlichkeit:
- medizinisch gar nichts, aber ein wenig Einkommen
- eventuell einen Plazebo-Effekt
- und eine angenehme Medienaufmerksamkeit.
Montag, 6. April 2009
Artificial leeching
Ein Nachwort zur Blutegel-Therapie gegen Knie-Arthrose: Schein-Blutegel gibt es wirklich! In einer Studie an der Uni-Klinik Aachen vom letzten Jahr wurden Blutegel und ihre Schein-Artgenossen verblindet auf Arthrose-PatientInnen losgelassen. Dabei wurde der Egel-Effekt durch Nadelstiche und feuchte Mullbinden simuliert:
"The bite of the leech was simulated with a needle prick at the predetermined sites. To obtain a realistic effect in the region of skin contact, wet gauze was formed to resemble the size and form of a leech and placed at the site."
Leider kam die Pampe bei den PatientInnen nicht Egel-mäßig genug rüber, und so schließt die Studie mit einer kritischen Diskussion des Verblindungsversuchs. Die Zusammenfassung befindet sich hier:
http://www.informaworld.com/smpp/section~content=a793116764~db
=all~dontcount=true~fulltext=713240929?start=793132359
"The bite of the leech was simulated with a needle prick at the predetermined sites. To obtain a realistic effect in the region of skin contact, wet gauze was formed to resemble the size and form of a leech and placed at the site."
Leider kam die Pampe bei den PatientInnen nicht Egel-mäßig genug rüber, und so schließt die Studie mit einer kritischen Diskussion des Verblindungsversuchs. Die Zusammenfassung befindet sich hier:
http://www.informaworld.com/smpp/section~content=a793116764~db
=all~dontcount=true~fulltext=713240929?start=793132359
Sonntag, 5. April 2009
Angst um die Zukunft
Die Nachrichten heute morgen auf motor.fm machen Angst. Da heißt es nämlich, der amerikanische Präsident Barack Obama habe sich bei seinem Besuch in Prag für eine "atomfreie Zukunft" ausgesprochen. Das möchte ich mir allerdings lieber nicht vorstellen, denn "die gesamte von uns wahrnehmbare, unbelebte und belebte Materie unserer irdischen Umgebung besteht aus (...) Atomen".
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Atom
Und Obama hat sich ja auch glücklicherweise nur für eine Welt ohne Atomwaffen ausgesprochen.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Atom
Und Obama hat sich ja auch glücklicherweise nur für eine Welt ohne Atomwaffen ausgesprochen.
Freitag, 20. März 2009
Zwei bis drei lokal angewendete Blutegel
Bayern 2 radioWissen beschäftigte sich unlängst mit dem Placebo-Effekt:
http://www.br-online.de/podcast/mp3-download/
bayern2/mp3-download-podcast-radiowissen.shtml
Sehen wir kurz darüber hinweg, dass gleich zu Anfang von der "Überzeugung von Homöopathie" im gleichen Satz wie vom "Glauben an die Schulmedizin" gesprochen wird, so handelt es sich doch um eine eingermaßen passable Sendung über den Placebo-Effekt. Der Beitrag erwähnt zumindest, dass sich Medikamente bei ihrer Zulassung in Deutschland gegen Placebos durchsetzen müssen (d.h. wirksamer sein müssen).
http://www.br-online.de/podcast/mp3-download/
bayern2/mp3-download-podcast-radiowissen.shtml
Sehen wir kurz darüber hinweg, dass gleich zu Anfang von der "Überzeugung von Homöopathie" im gleichen Satz wie vom "Glauben an die Schulmedizin" gesprochen wird, so handelt es sich doch um eine eingermaßen passable Sendung über den Placebo-Effekt. Der Beitrag erwähnt zumindest, dass sich Medikamente bei ihrer Zulassung in Deutschland gegen Placebos durchsetzen müssen (d.h. wirksamer sein müssen).
Als Experte tritt Prof. Gustav Dobos von der Uni Duisburg-Essen auf. Das ist die deutsche Hochschule mit dem schicken Lehrstuhl für Naturheilkunde, auf den ich jetzt mal unkommentiert verweisen möchte:
http://www.uni-duisburg-essen.de/
naturheilkunde/de/tcm/kontakt.php
Herr Dobos selbst z.B. "tut sich schwer" mit Homöopathie, bemüht sich aber, verschiedene andere Formen der Alternativmedizin ins rechte Licht zu rücken.
(An dieser Stelle eine kleine Bemerkung zu seinen Aussagen. Es stimmt nicht, dass homöpathische Behandlungen sich bei Mittelohrentzündung von Kindern als erfolgreich erwiesen haben. Das kann man z.B. hier nachlesen:
http://www.liebertonline.com/doi/abs/10.1089/act.2008.14509 )
Aber es bleiben ja noch viele andere spannende Verfahren. Im Beitrag wird berichtet, dass Herr Dobos mit großem Erfolg die Wirksamkeit folgender Methoden erforscht hat:
1) Akupunktur gegen Schmerzen
2) Blutegeltherapie gegen Kniegelenk-Arthrose
Thema 1) ist ein wenig langweilig. Die aktuellen Studien verwenden üblicherweise "wahre Akupunktur" vs. "Schein-Akupunktur" (auf Englisch "sham acupuncture"), bei der die Nadeln einfach wild irgendwo appliziert werden. Leider lassen sich diese Studien nie doppelblind* durchführen, sodass die methodologischen Kriterien einer seriösen medizinischen Studie nicht einzuhalten sind.
(* Doppelblindheit ist das wichtigste Kriterium bei Studien zur Wirksamkeit von Medikamenten bzw. Placebos. Einfachblind ist eine Studie, wenn der/die PatientIn nicht weiß, ob er/sie Medikament oder Placebo bekommt. Doppelblind ist die Studie, wenn auch der/die behandelnde/r Arzt/Ärztin das nicht weiß. Es gibt sogar Dreifachblind. Das ist, wenn die AutorInnen von Blogs nicht mehr wissen, wann sie am besten mit ihren Einschüben aufhören.)
Die Akupunkturstudien von Herrn Dobos sind logischerweise nicht doppelblind, da hier von denselben Experten für Akupunktur mal die richtigen und mal die falschen Punkte im Körper gepiekst werden. Also leider keine besondere Lanze für dieses Verfahren.
Viel lustiger ist aber Thema 2). Es lohnt sich besonders der Blick in die wissenschaftliche Veröffentlichung:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18407413
Hier werden den Arthrose-PatientInnen nämlich "2-3 locally applied leeches", also lokal angewendete Blutegel, oder eine ordentliche Dosis "topical diclofenac", Schmerzmittel, verabreicht. Leider auch wieder nicht doppelblind - interessanterweise nicht mal einfachblind, oder wurde hier eine Kontrollgruppe eingerichtet, die mit Schein-Blutegeln behandelt wurde? Vielleicht kann man da ausgediente Nürnberger Würstchen für nehmen. Auf jeden Fall ist Herr Dobos in Wahrheit gar nicht so überzeugt von seiner Egel-Studie wie BR2 ihm das unterstellt. Gegenüber dem MDR zumindest spricht er von einer "vermutlich(en) (...) Kombination aus Placeboeffekt, wie er auch bei schulmedizinischen Behandlungen auftreten kann, sowie spezifischen neurophysiologischen Mechanismen".
http://www.mdr.de/hauptsache-gesund/6220900.html
Jaja, das tritt ja auch alles bei der Schulmedizin auf. Aber da glitschen dann keine kleinen schleimigen Ringelwürmer auf einem rum.
http://www.uni-duisburg-essen.de/
naturheilkunde/de/tcm/kontakt.php
Herr Dobos selbst z.B. "tut sich schwer" mit Homöopathie, bemüht sich aber, verschiedene andere Formen der Alternativmedizin ins rechte Licht zu rücken.
(An dieser Stelle eine kleine Bemerkung zu seinen Aussagen. Es stimmt nicht, dass homöpathische Behandlungen sich bei Mittelohrentzündung von Kindern als erfolgreich erwiesen haben. Das kann man z.B. hier nachlesen:
http://www.liebertonline.com/doi/abs/10.1089/act.2008.14509 )
Aber es bleiben ja noch viele andere spannende Verfahren. Im Beitrag wird berichtet, dass Herr Dobos mit großem Erfolg die Wirksamkeit folgender Methoden erforscht hat:
1) Akupunktur gegen Schmerzen
2) Blutegeltherapie gegen Kniegelenk-Arthrose
Thema 1) ist ein wenig langweilig. Die aktuellen Studien verwenden üblicherweise "wahre Akupunktur" vs. "Schein-Akupunktur" (auf Englisch "sham acupuncture"), bei der die Nadeln einfach wild irgendwo appliziert werden. Leider lassen sich diese Studien nie doppelblind* durchführen, sodass die methodologischen Kriterien einer seriösen medizinischen Studie nicht einzuhalten sind.
(* Doppelblindheit ist das wichtigste Kriterium bei Studien zur Wirksamkeit von Medikamenten bzw. Placebos. Einfachblind ist eine Studie, wenn der/die PatientIn nicht weiß, ob er/sie Medikament oder Placebo bekommt. Doppelblind ist die Studie, wenn auch der/die behandelnde/r Arzt/Ärztin das nicht weiß. Es gibt sogar Dreifachblind. Das ist, wenn die AutorInnen von Blogs nicht mehr wissen, wann sie am besten mit ihren Einschüben aufhören.)
Die Akupunkturstudien von Herrn Dobos sind logischerweise nicht doppelblind, da hier von denselben Experten für Akupunktur mal die richtigen und mal die falschen Punkte im Körper gepiekst werden. Also leider keine besondere Lanze für dieses Verfahren.
Viel lustiger ist aber Thema 2). Es lohnt sich besonders der Blick in die wissenschaftliche Veröffentlichung:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18407413
Hier werden den Arthrose-PatientInnen nämlich "2-3 locally applied leeches", also lokal angewendete Blutegel, oder eine ordentliche Dosis "topical diclofenac", Schmerzmittel, verabreicht. Leider auch wieder nicht doppelblind - interessanterweise nicht mal einfachblind, oder wurde hier eine Kontrollgruppe eingerichtet, die mit Schein-Blutegeln behandelt wurde? Vielleicht kann man da ausgediente Nürnberger Würstchen für nehmen. Auf jeden Fall ist Herr Dobos in Wahrheit gar nicht so überzeugt von seiner Egel-Studie wie BR2 ihm das unterstellt. Gegenüber dem MDR zumindest spricht er von einer "vermutlich(en) (...) Kombination aus Placeboeffekt, wie er auch bei schulmedizinischen Behandlungen auftreten kann, sowie spezifischen neurophysiologischen Mechanismen".
http://www.mdr.de/hauptsache-gesund/6220900.html
Jaja, das tritt ja auch alles bei der Schulmedizin auf. Aber da glitschen dann keine kleinen schleimigen Ringelwürmer auf einem rum.
Abonnieren
Posts (Atom)
